Am 18. September 2025 war es endlich soweit: Mein neues Buch »Klassengesellschaft akut« ist beim C.H.Beck-Verlag erschienen. Darin argumentiere ich, dass Lohnarbeit im Kapitalismus in allererster Linie spaltend wirkt, denn dieses System beruht auf Unterschiedlichkeit und Konkurrenz. Nicht nur Unternehmen konkurrieren ständig miteinander – auch arbeitende Menschen verschiedenen Geschlechts und Alters, mit und ohne Migrationsgeschichte, mit unterschiedlichen Qualifikationen und Erfahrungen müssen stetig gegeneinander antreten: dabei geht es um Jobs, Beförderung, das nächste interessante Projekt, Lebenschancen. Die Unterschiede zwischen ihnen werden durch die Politik von Unternehmen und Staat oft noch verstärkt – etwa wenn die rechtlichen Möglichkeiten für Leiharbeit, Befristung oder »Minijob« durch Regierungen erweitert werden und Betriebe dies für den Aufbau prekärer Randbelegschaften nutzen. Wie kann unter diesen Bedingungen eine solidarische Politik der Arbeit aussehen, die Beschäftigte verbindet, statt die Spaltung zwischen ihnen immer weiter zu vertiefen? Meine Überlegungen dazu sind hier nachzulesen.
Mein wissenschaftlich-politisches Plädoyer (mit diesen Worten endet das Buch): »Seien wir realistisch! Untersuchen wir die Strukturen der Klassengesellschaft, ihre Fundamente und Sollbruchstellen so genau wie möglich. Machen wir uns keine Illusionen über die widersprüchlichen sozialen Beziehungen, die auf dieser Grundlage entstehen. Und analysieren wir schonungslos, wie sich das in den Köpfen von Menschen niederschlägt. Versuchen wir das (scheinbar) Unmögliche. Denken wir ohne Schere im Kopf über den Status Quo hinaus – und konkretisieren wir unsere Vorstellungen davon, wie Arbeit, soziale Sicherheit und Demokratie in Wirtschaft und Gesellschaft aussehen sollen. Sorgen wir dafür, dass sich das »Wir« der Lohnabhängigen erweitert – dass aus Potenzialen der Solidarisierung tatsächlich Solidarität wird. Tun wir gemeinsam Schritt für Schritt hin zu einer besseren Gesellschaft.«